Gesündigt an Allerheiligen in Reudnitz

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Bevor sich alle Volleyballer im Freizeitsport wieder den Keuschheitsgürtel umschnallen mussten, entschieden die 3 Teams des letzten Sachsenliga-Spieltages doch nochmal die Puppen, oder besser gesagt die Bälle, tanzen zu lassen. Vielleicht nicht so die beste Idee der 2 Gastmannschaften. Nachdem sich die dritte Vertretung des GSVE Delitzsch mit 0:3 vom Platz penetrieren ließ, mussten wir unsere willigen Körper, vielleicht ein letztes Mal dieses Jahr, auf dem Feld zur Schau stellen. Um eins vorweg zu nehmen. Mehr als ein Haufen Schausteller waren wir an dem Tag auch nicht.

Unsere Truppe von der Heilsarmee startete mit Toni, Micha, Rene, Till, Jakob und Timon, sowie Chris in der hinteren Front. Gleich von Anfang an begannen wir unsere Geschenke zu verteilen. Ein schneller 01:04, 04:08 und 06:12 Rückstand gab schon mal einen kurzen Einblick auf unsere Großzügigkeit. Die Gastgeber begannen mit gutem Aufschlagdruck, den sie haben auch schon Delitzsch spüren lassen. Nicht übermäßig hart, aber dafür gut platziert. Unsere Köpfe waren benebelt von dem erstklassigen Hallenduft mit leichter Chlornote vom Desinfizieren der Gänge. Jetzt wissen wir warum in Amerika wirklich mit Maske gespielt wird. Selbst die Auszeit beim Stand von 07:15 brachte uns nicht wieder richtig auf Kurs. Das Spielprinzip der Reudnitzer war bekannt, einfach und dennoch äußerst effektiv. Eine solide Annahme des retro grün-weißen Sechsers ermöglichte die bewährte 50/20/20/10 Verteilung. Till Wohlrab war wieder nur schwer in den Griff zu bekommen, da unser Block nicht sauber genug am Netz aufgebaut wurde. Auch die beiden Außen Max Lukas und Benedikt Werner punkteten mit „cleveren“ Angriffen. Die Wunden waren nicht schnell genug zu versorgen. Unsere Angriffe landeten zu selten auf des Gastgebers Hallenboden, hingegen wir auf unserer Seite ständig am Wischen waren. Auch der eingewechselte Antennenbote Steve konnte daran nicht viel ändern. Ohne weitere große Worte zu verlieren, ging der Satz mit 10:16, 16:20 und 20:25 an den Gastgeber. Kurze statistische Bestandsaufnahme der Truppe am Ende des ersten Satzes. 38% Angriffsquote, 1 direkter Block und 7 Eigenfehler untermauern zu Recht das Satzergebnis.

Gebete in der Satzpause auf beiden Seiten. Wir sollten endlich Spaß am Volleyball haben, und zwar Alle. Bei den scheinheiligen Reudnitzern wurde Till Wohlrab ermahnt, keine Tusch´s mehr zuzugeben, wie sich im Nachhinein herausstellte. Würden wir wahrscheinlich auch nicht anders machen, denn ansonsten wären die Herren in Weiß auf der Kanzel ja nicht notwendig. Doch irgendwie haben wir Mike nicht erhöht. Die Endaufstellung aus Vers 4 (Ab)Satz 1 startete auch in (Ab)Satz 2. Wir begannen etwas dynamischer, sicherer und selbstbewusster. Zumindest bis zum Stand 07:08. Danach war es Jürgen Lunegov, welcher uns 6 Aufschläge in Form von Heiligen Granaten ins Feld warf. Die Annahme wackelte, unser Zuspiel folglich zu durchsichtig und der Angriff landete in den Mauern von Jericho. Zwischenzeitlich wechselte Mike auf Diagonal und Mitte. Basti und Maik kamen für Till und Rene. Die beiden machten ihre Sache gut, doch die komplette Kompanie hatte keinen Gleichschritt. Rhythmus quasi nicht vorhanden. Wir schluderten in allen Elementen, brachten unsere Köpfe nicht auf Kurs und mussten verdient weiter einstecken. Mit 12:20, 14:23 und 15:25 ist der Rest des Satzes schnell erzählt. Reudnitz spielte seinen Stiefel strukturiert gut runter, machte kaum Eigenfehler und punktete fleißig über Außen und Dia mit 50% Quote. Wir hingegen hielten unsere 38%, produzierten allerdings 11 Eigenfehler, allein 6 davon im Aufschlag. Abgeschenkt trifft es hier wohl am Besten.

Irgendwie lief es nicht so richtig, was leider die letzten Trainings, unabhängig der Beteiligung, immer wieder haben durchblicken lassen. Bisher 3 Spiele und keins davon über 5 Sätze. Auch das sah so gar nicht nach uns aus. Wollten wir es nicht nochmal damit probieren? Nein, denn Sonntag ist Ruhetag und wir waren bestrebt das Spiel möglichst schnell zu beenden. Bis auf Rene startete der Sechser aus (Ab)Satz 2. Erneut fanden wir uns schnell in einem 02:05 und 04:09 Rückstand. Till bekam kein Gespür für den Ball und machte nochmal Platz für Basti. Auch André sollte nochmal versuchen die Jünger auf den rechten Weg zu führen. Doch leider reichte es nicht für mehr als ein gemütliches Singen obszöner Texte zum Sonntagnachmittag. Konstant liefen wir den Gastgebern mit 08:15 und 12:18 hinterher. Martin wurde nochmal für Jakob auf das Feld geworfen. Wasser in Wein verwandeln war einfach nicht mehr drin. Hingegen taten das die Reudnitzer nach dem 20:25 Endstand. Zumindest mit der Ausnahme, dass sie Wasser in Sternburg verwandelten. Wir steigerten unsere Eigenfehlerzahl nochmals und senkten die Erfolgsquote auf schlappe 36%. Man könnte

meinen es handelt sich dabei um ein kongruentes Handeln des angeordneten Lockdowns der Regierung. Vorbildlich nach Hygienekonzept gab es die Verabschiedung und Gratulation aus der Ferne.

SV Reudnitz I – SV Motor Mickten 3:0 (25:20, 25:15, 25:20)

Nicht ganz so hygienisch waren die sanitären Einrichtungen der Halle. Unsere Kabine litt unter einem Rohrbruch der Dusche 4, welcher uns versuchte aus der Halle zu spülen. Bei den berechtigten Siegesgesängen der Gastgeber traten wir jedoch auch so schnell die Flucht an.

Da der Breiten- und Freizeitsport aufgrund des Lockdown vorerst bis zum 30.11.2020 eingestellt ist, hoffen wir auf eine Fortsetzung des Spielbetriebes am 12.12.2020 in Chemnitz.

© Toni